06.06.17: Auf den Spuren der jüdischen Geschichte – ein Projekt zur Stolpersteinverlegung in Borken

Geschrieben von Pressedienst OSB

Am 08.05.2017 bis zum 12.05.2017 führten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen der Gustav-Heinemann-Schule ein einwöchiges Projekt zu den „Stolpersteinen“ durch, welche anschließend im Rahmen der 700-Jahrfeier der Stadt Borken am 18.05.2017 feierlich verlegt wurden. Das Ziel des Projektes bestand darin, eigene Recherchen und Beiträge zu den Personen vorzubereiten, welchen während der Stolpersteinverlegung gedacht wurden. Außerdem sollte den Schülern vermittelt werden, wie die (jüdischen) Einwohner der Stadt Borken und der umliegenden Gemeinden diese Zeit erlebt haben.

Die Woche begann mit einer Einführung durch Herrn Ingo Sielaff, dem Leiter des Hessischen Braunkohle Bergbaumuseums der Stadt Borken, der sich dazu bereit erklärt hatte, das Projekt zu begleiten. Er gab den Schülerinnen und Schülern einen Überblick über die bevorstehende Woche.

 

Anschließend führten die Schüler selbstständig eine Stadtplanrecherche durch und stellten fest, dass die Straßennamen früher teilweise anders lauteten. Davon ausgehend informierten sie sich über die Persönlichkeiten, z.B. Hermann Göring und Max Liebermann von Sonnenberg, welche den Straßen ihre Namen gegeben hatten und präsentierten ihre Ergebnisse dem Plenum.

Im Anschluss stellte Herr Georg Mardorf, der selbst Lehrer an der GHS war, die Geschichte des Judentums und den Weg der Juden nach Europa ausführlich dar. Der erste Tag des Projektes endete mit einem gemeinsamen Stadtrundgang, bei dem bedeutende Standorte zur jüdischen Geschichte besucht wurden. Dies waren beispielsweise die ehemalige Synagoge, das alte Rathaus, die Judenschule sowie das Geschäft von Levi Blum, welches in der Reichspogromnacht zerstört wurde. Außerdem wurde der ehemalige Standort des Hauses der Familie Speier aufgesucht, vor dem bereits vier Stolpersteine verlegt wurden. Dem Museumsleiter Ingo Sielaff kam es darauf an, die historischen Orte mit den Ereignissen direkt zu verknüpfen und den Teilnehmern während des Stadtrundgangs zu vermitteln, wie nah der Nationalsozialismus der eigenen Haustür kam. An den jeweiligen Standorten lasen die Schülerinnen und Schüler Textausschnitte über das Leben der damaligen Zeit, die Personen und ihren Alltag vor.

Am Dienstag begann die Recherche und Vorbereitung der Schülerbeiträge. Dazu arbeiteten sie mit verschiedenen Medien und Quellen und stellten ihre Ergebnisse den Mitschülern vor.

Am Mittwoch besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof in Haarhausen. Dort waren sie erstaunt über die Anlage und Erscheinung des Friedhofs im Vergleich zu den christlichen Friedhöfen, beispielsweise über die Inschriften auf den Steinen, aber auch, dass der Friedhof im Wald liegt und es dort keinen klassischen Grabschmuck gibt. Sie betrachteten in Kleingruppen die einzelnen Grabsteine und setzten sich mit den Formen der Steine und der Symbolik bzw. den Zeichen auseinander. So fanden sie beispielsweise häufig das Symbol der segnenden Hände oder Sterne auf den Grabsteinen. Außerdem waren die Schüler erstaunt, dass sie einige Namen lesen konnten, welche ihnen bereits während ihrer Recherche am Dienstag begegnet waren.

Am Donnerstag und Freitag übersetzten die Schülerinnen und Schüler die englischsprachigen Originalreden der Angehörigen, welche von ihnen während der Stolpersteinverlegung auf Deutsch vorgetragen werden sollten. Außerdem wurden die Rollen verteilt und eine Generalprobe vor Ort durchgeführt.

Am Donnerstag in der darauffolgenden Woche fanden dann die Stolpersteinverlegungen in Borken und Kerstenhausen statt. Die Klassen 9d und 9e begleiteten die Veranstaltung und präsentierten ihre vorbereiteten Beiträge.

Das Projekt endete am Freitag mit einer Veranstaltung in der Aula der GHS. Dany Bober, welche bereits am Vortag die Verlegung musikalisch begleitet hatte, stellte den Schülern „Liedgeschichten und jüdischen Humor“ vor. Außerdem standen auch Ofra Karo und Dennis Aron, heute in den USA lebende Nachkommen ehemaliger jüdischer Bürger in Borken, zum Abschluss für Fragen zur Verfügung und präsentierten Bilder ihrer Angehörigen.