06.11.19: Zeitzeuge der DDR zu Besuch in Borken

Geschrieben von Sara Lexa, Kl. 10c

Am 19.09.2019 besuchte Herr Gilbert Furian aus Fürstenwalde die Gustav-Heinemann-Schule, um den Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 10 als Zeitzeuge von seinen Erfahrungen in der DDR und von dem Stasigefängnis Hohenschönhausen zu berichten.

Er erzählte von seinem Leben, während die Schülerinnen und Schüler ihm aufmerksam zuhörten. Mit dem neuen Wissen würde der Jahrgang nämlich in der Woche darauf, während der Studienfahrt nach Berlin, die Gedenkstätte Hohenschönhausen besuchen.

Herr Furian berichtete, dass er schon Monate vor seiner Festnahme überwacht wurde, ohne es zu bemerken. Er wurde festgenommen, da er im Sommer 1982 Gruppen von „Punks“ in Ostberlin interviewt hatte.

Er hatte diese Interviews in einem Buch niedergeschrieben und heimlich vervielfältigen lassen. Zehn dieser Bücher wollte er über seine Mutter, welche aufgrund ihres Rentenalters in den Westen reisen durfte, in die Bundesrepublik bringen. Diese Hefte wurden am Grenzübergang vom Zoll gefunden, woraufhin Herr Furian festgenommen wurde. Nach sieben Monaten Untersuchungshaft wurde er zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Über seine Zeit in Hohenschönhausen berichtete er, dass das Schlimmste die komplette Isolation von der Außenwelt gewesen sei. Die Häftlinge wussten nicht, wo sie sich befanden, denn in das Gefängnis wurden sie mit einem Transporter ohne Fenster gefahren. Er durfte in dieser Zeit nur zum Verhör aus seiner Zelle heraus. Herr Furian wurde in unregelmäßigen Abständen zum Verhör geholt, damit er auch die Orientierung an der Uhrzeit verlor.

Um es für ihn erträglich zu machen, versuchte er, die Zeit in seiner Zelle in einem „Dämmerzustand“ zu verbringen. Er tat das, um nicht durchzudrehen. Seiner Meinung nach hat er psychisch keine größeren Schäden davongetragen. Das Einzige, was aus dieser Zeit geblieben sei, sind seine Erinnerungen, seine Abneigung gegen geschlossene Türen und dass er keine düsteren Gefängnisfilme mag.

Nach dem Vortrag gab es eine Fragerunde, in der die Schülerinnen und Schüler viele Fragen stellten. Wir dank(t)en Herrn Furian, dass er die weite Reise für uns angetreten hat, und wünschen dem kommenden Abschlussjahrgang ebenfalls eine so spannende Veranstaltung.

 

Sarah Lexa, Klasse 10c