09.11.20: Gedenkveranstaltung am 9. November

Geschrieben von Pressedienst OSB

Am Abend des 9.11.2020 trafen sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c, Lehrerinnen und Lehrer sowie Borkener Bürgerinnen und Bürger, um an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 zu erinnern.

Die Gedenkveranstaltung begann am jüdischen Friedhof mit einer kurzen Begrüßung durch den Stadtverordnetenvorsteher Michael Weber und der Erläuterung der Covid-19-Schutzmaßnahmen. Zusammen gingen wir, in der Stille, zu der Gedenkstätte an der ehemaligen Synagoge. Dort angekommen, folgten eine erneute Begrüßung sowie die Ankündigung der Beiträge der Klasse 10c.

Zunächst erläuterte Loona Rose die Diskriminierung und Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus. Sie erwähnte beispielsweise, dass im Oktober 1938 alle Juden mit polnischen Wurzeln aus Deutschland ausgewiesen wurden. Einer der Augenzeugenberichte handelte von Familie Blum: Artjom Diner und Hannah Wagner erzählten von Hugo Blum, der vor den Augen seiner Familie misshandelt wurde. Letztlich wurde die Familie Blum deportiert und wahrscheinlich in den Konzentrationslagern Stutthof und Riga umgebracht.

 

Leider war dies kein Einzelfall. Familie Kaiser, über die Pauline Hucke, Emma Schneider und Artjom Diner einen Augenzeugenbericht vortrugen, war ebenfalls betroffen. Der Laden der Kaisers wurde demoliert und ruiniert. Man wusste weder genau, wer die Angreifer waren, noch, von wo sie kamen. Vermutungen zufolge wurden die Schläger von weiter weg nach Borken geschickt, um keinen persönlichen Bezug zu den dortigen Juden zu haben: je weniger Bindung, desto schonungsloser.

Im Anschluss gedachte Pfarrer Björn Kunstmann der Opfer des Reichspogromnacht und des Nationalsozialismus im Allgemeinen. Herr Kunstmann sagte, dass Angst schon damals ein großer Faktor gewesen sei; daraufhin trug er aus dem Psalm 107 vor und fügte hinzu, dass Hass keine angemessene Antwort auf diese Angst sei.

Bürgermeister Marcèl Pritsch betonte, dass wir in einer komplizierten Zeit leben. Während uns momentan die Pandemie in festem Griff halte, sei es früher die Diktatur gewesen. Herr Pritsch sagte, die Gedenkfeier sei ein wichtiger Anlass, um dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nicht noch einmal geschehe. Menschen hätten zugesehen, wie jüdische Mitbürger misshandelt wurden. Das erste Todesopfer der Novemberpogrome habe es in Felsberg gegeben. Herr Pritsch schloss seine Rede mit der Ankündigung, dass die dortige Synagoge bis 2022 rekonstruiert werden solle und dass in Borken weitere Stolpersteine verlegt werden würden.

Gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Michael Weber legte Bürgermeister Marcèl Pritsch im Zuge einer Schweigeminute einen Kranz am Gedenkstein nieder.

Saskia Hölke, 10c

 

Ergebnisse des Workshops über/gegen Antisemitismus in der Klasse 10c

Ich habe gelernt, …
„dass Antisemitismus auf Vorurteilen, Klischees und Unwissen beruht.“
„dass es verschiedene Formen des Antisemitismus gibt.“
„dass Antisemitismus auch heute noch in vielen Gesellschaften vertreten ist.“

Ich wundere mich, …
„ dass Antisemitismus immer noch aktuell ist, obwohl man weiß, was dadurch früher passiert ist.“
„dass alte Vorurteile so lange Bestand haben.“

Ich frage mich, …
„wieso so viele Menschen an antisemitische Verschwörungstheorien glauben.“
„wieso die deutsche Bevölkerung das Vorgehen der Nationalsozialisten unterstützt hat.“
„wieso ausgerechnet Juden für alles Schlechte verantwortlich gemacht wurden.“