Gustav Heinemann: Leben und Werke eines Staatsmannes

Geschrieben von Offene Schule Borken

Der Mann, der unserer Schule seinen Namen gab, war bestimmt kein einfacher Mensch. Obwohl er nach außen eher gehemmt und ruppig wirkte, und bei seiner Wahl zum Bundespräsidenten bereits ein alter Mann war (geb. am 23.7.1899, gest. am 7.7.1976), wurde er in schwieriger Zeit gerade für die Jugend zu einer Art Integrationsfigur. Nach Aussage seines Nachfolgers haben ihn die jungen Menschen geradezu verehrt. Er galt damals (gemeint sind die späteren sechziger Jahre) - zumindest bei vielen Intellektuellen - als Mann der kritischen Jugend.

Aber das war nicht der einzige Grund für sein hohes Ansehen. Was ihn auszeichnete, war vor allem Glaubwürdigkeit. "Er wirkte unter den vielen Darstellern der Bonner Szene einfach unglaublich redlich und hat es belegt durch sein Leben." Wem kann man solch einen Satz heute noch widmen? Aber, "sein Leben lang war er unverwechselbar vor allem er selbst." Das bescherte ihm einer sehr wechselvolle berufliche und politische Karriere. So war er Rechtsanwalt, Bergwerksdirektor, Oberbürgermeister, Justiz- und Innenminister und -- Bundespräsident. Er war Mitglied verschiedener Parteien (CDU, GVP, SPD), aber er blieb auch er selbst. Als die SPD wieder die modisch gewordene Anrede "Genossinnen und Genossen" gebrauchte, beharrte er stattdessen auf "liebe Freunde". Er blieb immer ein Mann der Widersprüche, "Bürger und Rebell". Fleiß, Sparsamkeit und Ehrgeiz zeichneten den "Bürger" Heinemann aus. Bis ins hohe Alter beherzigte er den Wahlspruch seines Vaters: "Nütze Zeit und Stunde. Niemals müßig sein". Worte, die Schüler heute wohl weniger gerne hören. Aber gerade diese Einstellungen und seine Verwurzelung im christlichen Glauben befähigten ihn zu seiner gewaltigen Arbeitsleistung. Er war sogar einmal kurzzeitig (1947/48) Oberbürgermeister und Minister zugleich. Bleibenden Eindruck hinterließ er jedoch vor allem als "Bundespräsident" (1969-1974), als er sein Bild eines Bürgers in einem demokratischen, liberalen Staat vorleben und mitteilen konnte. Der "unbequeme Mahner", der sein Leben lang gern Bier trank und Skat spielte, starb 1976.