02.12.13: Lernen braucht Freiräume

Einer schläft, einer malt auf dem Heftrand, einer schreibt Briefchen – wenige blicken konzentriert nach vorne – so stellt sich mancher eine typische Unterrichtssituation vor.

Anders an der Offenen Schule in Borken. Hier hat man sich Gedanken gemacht, wie man die Schläfer, Maler und Schriftsteller zum Lernen bewegen und auch ihr Potenzial entfalten kann.

Auf die Verschiedenheit der Schüler reagiert die Offene Schule Borken mit dem Unterrichtsfach Freies Lernen. Hier werden Freiräume für fächerübergreifendes, selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen geschaffen. Dabei werden auch für andere Unterrichtsfächer und die Berufswelt unabdingbare Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erlernt.

 

Die Schüler gestalten ihren eigenen Lernweg und die -methode selber. Diese  Veränderung der Unterrichts- und Lernkultur ermöglicht nachhaltiges Lernen.

In dem zwei- bis dreistündigen Unterrichtsfach haben die Schüler die Möglichkeit, feste und freie Vorhaben zu bearbeiten. Sie entscheiden dabei über das Thema, planen ihr Vorgehen, verarbeiten die Informationen und reflektieren ihre Arbeitsergebnisse anschließend. Am Ende jedes Vorhabens entsteht ein Produkt, das den Mitschülern präsentiert wird. „Ich bin stolz auf meine Power-Point-Präsentation. Ich habe dadurch viel über mein Thema Tiere in Afrika gelernt und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, meinen Mitschülern dies vorzustellen“, berichtet eine Siebtklässlerin stolz.

Der Lehrer fungiert als Lerncoach, indem er  die Schüler begleitet und berät.

Für die verschiedenen Vorhaben steht an der Offenen Schule Borken ein besonderer Raum für das Freie Lernen zur Verfügung. Dieser ist mit verschiedenen Materialien sowie Werkbänken, einem interaktiven Whiteboard und Netbooks ausgestattet.

Ein Arbeitskreis trifft sich in regelmäßigen Abständen zur Entwicklung neuer Vorhaben, zum Material-, Ideen- und Erfahrungsaustausch und natürlich auch zur Reflektion und Überarbeitung bereits durchgeführter Vorhaben. Eine weitere Besonderheit dieses Faches besteht in der Benotung. Die Schüler erhalten eine verbale Beurteilung, die ihren Lern-prozess aufzeigt.

Themen für das Freie Lernen orientieren sich an der Altersstufe und den Interessen der Schüler. So finden sich z.B. im Rahmen des Faches die Themen Holzarbeiten, Ernährung, Experimente und mathematische Reisen im 5. und 6. Schuljahr. 

Weiterhin finden zwei Vorhabenwochen im Jahr statt, in denen die Schüler eine Woche lang an einem Vorhaben arbeiten, das am Ende vorgestellt wird. Der sechste Jahrgang beispielsweise verbringt die erste Vorhabenwoche am Borkener See. Dort werden verschiedene Stationen wie Gewässeruntersuchung oder Tierbeobachtungen angeboten. Im 9. und 10. Schuljahr wird Freies Lernen in folgenden Neigungskursen angeboten: Darstellendes Spiel, Naturwissenschaften, Kreatives Gestalten und Gesellschaftslehre.